Indie ist eine Chiffre. Nudelwalther eine Marke. Die NPD bemitleidenswert blöd.

Am vergangenen Wochenende hat in Leipzig die achte (Pop Up stattgefunden und wer mit einigermaßen hochgesteckten Erwartungen dorthin fuhr, kehrte leider mit einer kleinen Enttäuschung wieder zurück nach Hause. Denn die (Pop Up in diesem Jahr war ambitioniert, zu ambitioniert in manchen Aspekten. Keine Frage, die Location und der Ansatz, von der alternativen Popkultur bislang unbesetzte Räume zu besetzen, waren top, aber kann man wirklich erwarten, dass ein Ort wie der Volkspalast, der im Normalbetrieb gerade mal Platz für 3200 verlorene Seelen (ersetze durch: Scooter-Fans, Sven Väth-Fans, Autotuner) bietet, von Messepublikum auch nur annähernd gefüllt wird? Fairerweise muss ich sagen, dass ich nicht weiß, ob die Organisatoren das vorhatten. Ich mutmaße mal: nein. Denn primäres Ziel war bestimmt, das Gedränge aus dem Werk II loszuwerden.

Das ging leider, so mein Eindruck, nach hinten los. Statt familiärer Enge drohte manchen Ständen die Vereinsamung, viele Aussteller zogen daher überpünktlich um 17: 58 Uhr ihr Personal ab. Allein diejenigen, die Bier verschenkten und Bundesliga-Ticker auf ihren Monitoren hatten, wurden belagert. Die Panels waren, mit Ausnahme des Branding-Panels, auf dem sich der Ex-Sänger von Von Spar hübsch in Rage redete über den Ausverkauf mancher Bands, die Panels also waren mitunter von einem grenzwertigen Konsens gezeichnet, der einen recht schnell wieder an die frische Luft spülte. So etwa das Gender-Panel, auf das ich mich in der Erwartung gefreut hatte, dort etwas Inhalt und Rabatz geboten zu bekommen. Stattdessen fühlte ich mich in die schlimmsten Seminare meines Politik-Grundstudiums zurückversetzt, wo sich halb- oder viertelgebildete, aber vollengagierte Frauen teilweise nicht entblödeteten zu sagen, dass sie ja ihre Reifen selber flickten und dass neulich, bei der Fahrradtour mit dem neuen Freund, also da hatte sie einen Platten, aber kein Flickzeug und dann kam ein anderes Paar vorbei, die hatten Flickzeug und, zack!, wie automatisch standen die Männer um den zu flickenden Reifen und diskutierten und die mit der Ahnung, also die, die ihre Reifen selber flickt, die konnte mit ihren Ratschlägen nicht durchdringen und deswegen sei nach ein paar Stunden der Flicken schon wieder runtergewesen…ade, schönes Gender-Podium.

Sind all das Zeichen für die Abwärtsrichtung, in die sich Indie schon seit ein paar Jahren bewegt? Am kommenden Freitag wird im Freitag von mir dazu ein Text erscheinen, in dessen Mittelpunkt die These steht, dass die Protagonisten der Indiekultur zwar nicht tot, aber mehr denn jeh orientierungslos umherirrlichtern:

„Indie ist vor allem eine Chiffre für eine kreative, innovative Arbeitsbeschaffungs- und Kleingelderwerbsmaßnahme für junge, gut ausgebildete Grafiker, Webdesigner, Tontechniker, Journalisten, ein paar Vertriebler und natürlich Musiker. Ein selbstverwaltetes Riesenpraktikum, das für Kost und Logis zahlt. […] Am Ende ist Indie also vor allem ein Begriff für etwas, das nach Orientierung sucht und sich dabei ziemlich schamlos an allen möglichen Töpfen labt, ohne an Gewicht zuzulegen. Nicht tot, aber vital und energiegeladen sieht anders aus. Spät in der Nacht trifft man einige der Aussteller auf der Abschlußparty im einstigen Vorzeigeindieschuppen Leipzigs, dem Ilses Erika. Sie tanzen zu Techno.“

Nun aber noch schnell zwei hocherfreuliche Dinge, Fundstücke vom Wegesrand:

Thomas Trappe, mir bekannter Leipziger Humorist und Journalist ersten Grades und Sahne, hat das zweifelhafte Glück, in Riesa arbeiten und dorthin pendeln zu dürfen. Wie man sich denken kann, will er oft abends gar nicht mehr weg und deswegen tut er alles, wirklich alles, um sich an die Riesaer heranzuschmeißen. Sogar mit der NPD geht er ins Bett, ins Sterbebett, hoffentlich (für die NPD, Thomas springt rechtzeitig wieder raus). Dass es in Riesa allerdings auch noch andere Humoristen gibt, war bislang nicht bekannt, wird aber durch Th. Trappes Investigativnase nun zu Tage gefördert. Folgender Mann verdient unser aller Beachtung:

Sahnestückchen Nummer zwei ist für Freunde des kostenlosen Downloads interessant, also fast alle. Wie Peter von Coast is Clear herausgefunden hat, schmeißt die finnische Band Viola ihr Gesamtwerk weg – in unsere offenen Hände. Alle, wirklich alle alten Alben sind auf der Website der Band als mp3s zu haben, in hoher und niedriger Bitrate. Am 1. jedes Monats kommt dann jeweils noch ein neuer Song dazu. Greift zu!

Heute mal langlang gemacht von: Tante Taifun

2 Antworten zu “Indie ist eine Chiffre. Nudelwalther eine Marke. Die NPD bemitleidenswert blöd.

  1. na hörnse mal froilein taifun, keene anderen humorarbeiter aus riesa? isch gloobs ja nisch.
    was issn mit den grossartigen „zärtlichkeiten mit freunden“? die sinn aus riesa. hää?

    http://www.zaertlichkeitenmitfreunden.de/

    • Lieber Fuxx geht um,

      hier geht’s um Indie – Kollege Trappe aus Riesa macht gratis! Zärtlichkeiten kosten, sind also ein Bordell des Humors.

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