Pfurzmaterial

Wer dachte, Kalifornien sei nur Sonne und Strand und Silikon, der ist, wie man so schoen sagt, falsch gewickelt. Denn es ist ja so: Die meisten Laender bestehen aus Land und aus den dort lebenden Menschen, ihren Autos und ihren mitunter etwas zu kurz geratenen…wir fuhren also zur Erweiterung unseres Horizonts ueber das Osterwochenende nach Tulare, dem Heimatort unserer entzueckenden Gastgeberin Sarah. Tulare ist wie Poing und Moitzfeld und auch ein bisschen wie Delitzsch: unfassbar langweilig, zu gross geratene Industriegebiete, viele Kuehe, viele Deppen. Und wir mittendrin.

Eine nicht so gute Idee war an dem Wochenende, einen Spaziergang zu unternehmen, wo man normalerweise mit dem Auto spazierenfaehrt. Den uns anspringenden Pitbull haben wir noch laessig abgeschuettelt. Den uns anklaeffenden Amerikaner konnten wir aber nicht mehr ignorieren: „What are you cocksuckers-motherfuckers looking at?“ wollte er freundlich bruellend von uns wissen. Uns hatten, aus einer Entfernung von 200 Metern, seine Garage und die fuenf Basketballkoerbe davor interessiert.

Doch since there is a thin line between love and hate, brachte eine andere Garage jedoch viel bessere Toene mit sich: ein Barbecue bei Freunden von Sarah brachte uns in den Genuss des Rockabilly-Sounds von Motel Drive. Die Band von einem der Hausherren spielte mehr oder weniger spontan und bot angenehm entspanntes Zeug mit viel bunten Tattoos auf den Armen. Die Hauptattraktion waren dabei natuerlich die „friends form Germany“ (= wir), denen mehr als ein Song gewidmet wurde.

Kernstueck des Osterwochenendes war die Familienfeier von Sarahs Familie in einer Art Gemeindesaal. Die 150 dort versammelten Leute waren allem Anschein nach wirklich miteinander verwandt. Es gab Essen en masse, eine Talentshow von leicht ueberzuechteten Kindern auf der Buehne und Eiersuche auf der Wiese (wobei man die Eier weniger suchen, als einfach von der Wiese aufheben musste). Noch bevor der Easter-Bunny auf die Buehne kam, ereignete sich jedoch Dominiks persoenliches Highlight des Tages: Am Buffet
beugte sich ein kleiner, alter Mann, dessen verschmitztes Grinsen uns schon vorher aufgefallen war, zu Dominik rueber und sagte: „I wonder, if there’s any fart-material here.“ Wobei sich das „fart material“, das Pfurzmaterial, als Bohne herausstellte. Knaller!

Wieder in San Francisco angekommen, haben wir natuerlich noch die Golden Gate Bridge angeschaut, sind mit dem Cable Car gefahren, haben beschlossen ein paar Haeuser in der Naehe vom Coit Tower zu kaufen. Sehr zu empfehlen ist die kleine Strasse namens „Julius“ – die Haeuser dort duerften nicht viel teurer als 2 Mio Dollar sein.

So, und heute Abend: Konzert von Dr. Dog im Fillmore.

Eine Antwort zu “Pfurzmaterial

  1. ihr zwei brueder im geiste,

    sehr erfrischend, eure eindruecke von der anderen seite der welt (fast). aber ihr koennt mir wirklich nicht so ein wort wie „pfurzmaterial“ an einem unschuldigen sonnigen morgen in tirana servieren – sowas krieg ich nie wieder raus aus meinem kopf!

    alles liebe,
    eure greta

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